Freitag 10 Uhr: Besuch bei Deutschlands bestem Aktfotografen! Steht da in meinem Terminkalender. Mal wieder ein ganz normaler Arbeitstag also.

Freitag 10 Uhr: Besuch bei Deutschlands bestem Aktfotografen! Steht da in meinem Terminkalender. Mal wieder ein ganz normaler Arbeitstag also. Natürlich werde ich berichten - nicht posieren! Soviel ist sicher. Was ich bis dato nicht weiß: es wäre Maestro Kristian Liebrand auch herzlich egal. Denn nachdem der 42-jährige gutaussehend schlanke 2-Meter-Mann mir freundlich den Weg in sein Atelier weist, mich an einer Regalwand gefüllt mit rund 50 Paar knallbunter Pumps vorbeischleust und mir einen gemütlichen Sofa-Platz anbietet, da schleudert er sie mir gnadenlos entgegen – die nackte Wahrheit:

„Frau Heidemann, wenn Sie jetzt beim Interview unbekleidet vor mir säßen, wäre das für mich ganz ehrlich nichts Besonderes.“

Schrecksekunde. Der Mann nimmt offensichtlich kein Blatt vor den Mund. Ich überlege kurz, ob ich beleidigt sein soll, beschließe aber, der Sache genauer auf den Grund zu gehen und ihn zu fragen, was genau er mir denn damit eigentlich sagen will...

„Viele Männer glauben immer, ich hätte einen Traumjob, weil sich die Frauen bei mir ausziehen und ich dafür auch noch Geld bekomme. Aber diese Leute haben einfach nicht verstanden, worum es mir bei meiner Arbeit wirklich geht.“, sagt er und lässt sich ebenfalls in ein Sofa sinken.

Um das in Gänze zu verstehen, muss man wohl ganz von vorne anfangen. Geboren in Rhede begann Kristian Liebrand seine berufliche Laufbahn zunächst mit etwas „Anständigem“ – wie er selbst es mit einem verschmitzten Augenzwinkern formuliert. Er absolvierte eine Lehre als Bankkaufmann, studierte BWL und Grafikdesign, bevor er schließlich stellvertretender Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens wurde. Diese Tätigkeit brachte ihm relativ schnell Ansehen, Erfolg und ein recht gut gefülltes Bankkonto. Was sich aber nicht einstellen wollte, war: Glück. Und so zog Kristian Liebrand aus, ebendieses zu finden. Oder besser – die Frauen zogen aus, nämlich sich. Denn nach einem kurzen Abstecher in das Genre ‚Hochzeitsfotograf‘, bat ihn eine der Bräute eines Tages um den Gefallen, sie unbekleidet abzulichten - als Überraschung für den frisch gebackenen Bräutigam. Und so kam der Stein ins Rollen.

„Die Bilder waren damals ok, und die Kundinnen auch zufrieden. Aber heute würde ich das natürlich ganz anders machen“, lacht Liebrand und reibt sich kurz die Augen, bevor er mir gesteht, vor lauter Arbeit praktisch die Nacht kaum geschlafen zu haben. Erst zwölf Stunden Shooting, dann noch vier Stunden Bildbearbeitung. „Aber das ist kein Problem“, fügt er schnell hinzu, “mein Beruf ist ja Berufung und macht mir immer riesig Spaß, auch wenn‘s mal stressig wird.“

Seit 2008 betreibt er in der Bocholter Innenstadt sein Fotostudio VISIBLE - fine art photography by kristian liebrand. Hat seitdem zahlreiche Preise gewonnen. Zu ihm ins Studio kommen hauptsächlich Privatkundinnen aus ganz Europa, die sich für die Ewigkeit von ihrer sinnlichsten Seite  ablichten lassen wollen. Von der Ärztin bis zur Kassiererin ist alles dabei. Manchmal sogar auch Prominente, wie Schauspielerinnen oder Politikerinnen. Doch an dieser Stelle macht der 42-Jährige mir sofort klar, dass ich darüber leider nichts Näheres erfahren werde. „Schade“, sage ich und grinse mal kurz.

Kristian Liebrand:

“Diskretion steht bei mir an allererster Stelle und ist mir heilig in meinem Beruf. Das sollte auch selbstverständlich sein, finde ich. Es ist für viele der Kundinnen schon Überwindung genug, überhaupt zu mir zu kommen und das Vertrauen aufzubauen, sich dann wirklich komplett vor mir auszuziehen. Deshalb setze ich für einen Shooting-Tag auch kein Zeitlimit. Jede Frau hat da ihr ganz eigenes Tempo. Gerade am Anfang, wenn wir uns erst einmal nur über die Erwartungen und Wünsche unterhalten. Das kann dann auch mal 1 – 2 Stunden oder länger dauern. Und wenn wir dann die Bilder machen, dann habe ich die entsprechenden Posen schon alle ausgearbeitet im Kopf. Es gibt also keine sogenannten ‚Versuchsschüsse‘. Jedes Bild ist dann auch unbearbeitet schon perfekt.“

„Nacktheit allein ist ja heutzutage auch nichts Besonderes mehr.“

B. Heidemann/ VIER SECHS DREI:

„Was genau ist denn für Sie wichtig bei den Bildern? Was sind Ihre Erwartungen an ein solches Shooting?“

Kristian Liebrand:

„Rein fachlich habe ich den Anspruch, dass man am Ende eben NICHT sagt ‚Ah, die auf dem Foto sieht ja heiß aus‘. Darum geht es nicht. Allein sexuelle Reize zu zeigen, das ist mir zu plump. Nacktheit allein ist ja heutzutage auch nichts Besonderes mehr. Bei meiner Arbeit spielt das Gesamtpaket die größte Rolle, die Ästhetik muss stimmen. Die Kunst des Bildes steht im Vordergrund. Ich nenne es ‚more than nude‘ – mehr als nur nackt. Ich mache ja hier kein Foto-Fastfood.“

„Da bekomme ich heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.“

B. Heidemann/ VIER SECHS DREI:

Was waren die schönsten Reaktionen auf Ihre Arbeit von Seiten der Frauen?

Kristian Liebrand:

(lacht) „Ach, ich hab ja den schönsten Beruf der Welt, weil ich die Frauen glücklich machen darf. Und zwar genau dann, wenn sie durch das Shooting plötzlich einen ganz neuen Blick für ihre eigene Schönheit bekommen. Einer der tollsten Sätze, die mir mal gesagt wurden, war: ‚Danke für das Bekanntmachen mit meinem Sexy Ich!‘ Und eine andere Kundin hat sogar vor Freude geweint, als sie das erste Akt-Bild von sich betrachtete. Da bekomme ich heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.“

„Wenn ich fotografiere, dann ausschließlich mit Herz und Leidenschaft.“

B. Heidemann/ VIER SECHS DREI:

Wie sieht es denn bei Ihren gewerblichen Auftragsarbeiten, wie Internet-Profilbilder für den Eskortbereich oder Pin-Up-Kalender für Firmenkunden aus? Liefern Sie da zwischendurch mal – wie nannten Sie es – ‚Foto-Fastfood‘, wenn es gewünscht wird?

Kristian Liebrand:

„Nein, auch da nicht. Wenn es vom Stil her nicht passt, nehme ich den Auftrag nicht an. Wenn ich fotografiere, dann ausschließlich mit Herz und Leidenschaft.“

Weit über 600 Akt-Shootings hat Kristian Liebrand mittlerweile hinter sich. Jedes war, wie er sagt, einzigartig. Auch seine Ideen für Requisite und Setting sind in den vergangenen Jahren ausgefallener geworden. Nackt-Modelle in Seifenkisten, Windkanälen, Waschanlagen oder auf Bahngleisen - demnächst werden diese und andere Ideen im Ruhrgebiet verwirklicht. Denn der 42-Jährige baut sich in Bochum auf einem 1000 Quadratmeter-Areal ein nagelneues VISIBLE Studio.

Männer wird er übrigens auch dort nicht fotografieren. Und schon gar nicht nackt. „Die sind mir als Motiv einfach nicht spannend genug…“ Und ich gebe zu, damit hat er wirklich nicht ganz unrecht…

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