Generalisten mit Anspruch

Kaum etwas bestimmt unser Bild von der Welt und ihren Formen mehr als unsere eigene Umgebung. Der Architektur kommt daher in Sachen Gestaltung und Design eine herausragende Rolle zu. Aber welche Rolle spielt Design für Architekten in Zeiten von Kosteneinsparungen und Funktionalität? Wir fragten nach – bei Thomas Mischo, Architekt in Borken.

VIER.SECHS.DREI.: Herr Mischo, ist Design heute noch angesagt?

Thomas Mischo: (lacht) Ja, natürlich. Wir bewegen uns ja in einem Spannungsfeld zwischen möglichst niedrigen Kosten, möglichst hoher Funktionalität und einem Anspruch an die Ästhetik. Ich würde schätzen, dass etwa 30-40% unserer Arbeitszeit in die Gestaltung fließt. Selbstverständlich gibt es erhebliche Unterschiede, was die Relevanz von Design bei einem Projekt betrifft – abhängig beispielsweise davon, ob es sich um einen gewerblichen oder privaten Bau handelt, oder ob es um Gebäude im städtischen oder ländlichen Bereich geht. Wir leben hier in einer Region, in der das Einfamilienhaus traditionell verankert ist, der Anteil an Privatbauten ist sehr hoch. Für den privaten Bauherren, der häufig nur ein einziges solches Projekt in seinem Leben stemmt, ist der ideele Wert des Baus in der Regel sehr hoch, da ist eine hohe Identifikation vorhanden und ein entsprechender Wille, sich einzubringen. Was uns entgegenkommt, denn die Zusammenarbeit mit aktiven Bauherren bringt erfahrungsgemäß die besten, zufriedenstellendsten Ergebnisse …

Wie sieht es mit dem Selbstdarstellungswunsch der Kunden aus?

Ein schwieriges Thema. Wenn wir auf den gewerblichen Bereich schauen, da hat die Gestaltung häufig einen realen Wert, denn nicht selten dient der neue Bau als Vorzeigeobjekt, als Visitenkarte. Hier begegnen wir als Architekten zwar – noch – größeren Einschränkungen durch gesetzliche Vorgaben, doch die sind gut zu meistern und schränken den Gestaltungsspielraum nur minimal ein. Im privaten Bereich verwirklichen sich, wie gesagt, häufig die Bauherren, was relativ oft zu überaus ansprechenden Ergebnissen führt; wir selbst haben inzwischen das eine oder andere sehr exklusive Einfamilienhaus mit hohem Individualisierungsgrad und prägender Identifikation fertiggestellt. Leider dürfen wir nicht mit allen Objekten werben, wenn der Kunde es wünscht, wahren wir natürlich die Diskretion … unser oberster Wert, wenn es um die vertrauensvolle Zusammenarbeit geht.

Gibt es aktuelle Trends?

Nicht in dem Sinne, wie man das beispielsweise aus der Mode kennt. Die „Duftmarken“ stammen eher von Einzelnen, von denen einige einen wiedererkennbaren Stil pflegen. Wir alle bewegen uns zwischen reinem Umsetzer und künstlerischem Gestalter, zwischen spezialisiertem Experten und Allrounder mit Standardlösungen – jeder setzt seinen Anspruch an die Qualität, seinen Blick auf anstehende Veränderungen und sein Verständnis des Berufsethos´ anders um. Ja, dadurch laufen gute Ideen gelegentlich Gefahr, kopiert zu werden und so eine Art Mini-Trend zu bilden. Aber dieses Kopieren ist eher ein Zitieren, der Umgang in der Branche ist eher ein Miteinander und ein gegenseitiges Inspirieren.

Und wo finden Sie sich selbst wieder?

Ich sehe mich als Generalist mit Anspruch, beispielsweise was die Verwendung neuer Baustoffe angeht. Da setze ich tendenziell lieber auf traditionelle Materialien, die meiner Meinung nach noch ungenutztes, auch gestalterisches Potenzial bieten. Mein Wissen und meine Erfahrung fließen in aller Regel im Vorfeld ein: Der Kunde erhält die realistisch umsetzbare Auswahl dessen, was wir im Vorfeld bereits alles an Ideen und Ansätzen verfolgt und geprüft haben – eine Art „Best of“ zu seinen eigenen Vorgaben.

Herr Mischo, vielen Dank für das Gespräch! 

*Anzeige

 
Share

Freshcode Media
Münsterstraße 108
46397 Bocholt

+(49) 163/4207572

kontakt@463.jetzt