Einmal um die Welt und zurück nach Rhede

Zusammen mit ihrem musikalischen Partner Peter Baartmans hat Susan Albers gerade (wieder) ein beeindruckendes Konzert im Rheder Ei hingelegt – im Interview berichtet sie „wie es dazu kam“ und von ihrem Leben zwischen zwei Welten.

Casual Dress, zwischendurch frische Luft schnuppern oder ein Schwätzchen mit der Nachbarin: Es ist offensichtlich, dass bei Susan Albers die Zeichen gerade auf Entspannung und Erholung stehen. Die Sängerin wirkt sehr gelöst und locker, als wir sie in ihrem neuen Zuhause besuchen. Der Stress der letzten Tage ist bereits weitgehend von ihr abgefallen …

Als wir im Wohnzimmer sitzen, lehnt sie sich zurück und beginnt sofort zu erzählen – bei aller Ausgeglichenheit ist sie weiterhin sehr quirlig, sehr lebendig.

VIER.SECHS.DREI.: Susan, wie hast du das Konzert von 18.01. empfunden? Ist es bereits im Alltag verlaufen?

Susan Albers: Ganz und gar nicht. Ein Konzert zuhause, also im Rheder Ei, das ist immer was Eigenes – und dieses war´s erst recht. Aus gleich mehreren Gründen. Zum einen haben Peter Baartmans als mein genialer Co-Musiker und ich uns ein ganz eigenes Programm für den Abend ausgedacht, auch mit neuen Nummern. Zum anderen hatte uns Sturmtief „Friederike“ fest im Griff: Die Instrumente steckten am Niederrhein fest, bis zuletzt war nicht klar, ob es unser Tontechniker Conny aus dem hohen Norden und Peter aus den Niederlanden es überhaupt zu uns schaffen würden … das reinste Chaos.

Was macht man, was machst speziell du in solchen Situationen?

Na, Ruhe bewahren. Improvisieren ist immer auch ein Bestandteil der Arbeit. Als sich das abzeichnete, habe ich noch am Vorabend hier im Wohnzimmer Dekolampen mit flammhemmendem Spray besprüht, dann habe ich meine eigenen Instrumente hier ab- und im Rheder Ei wieder aufgebaut. Sowas geht aber nicht alleine, ich bin so dankbar für die starke Hilfe aus meiner Familie! Auch bei diesem Konzert wieder eine Riesenleistung … Kurz vor der Show taucht man ab in einen Arbeitsmodus, man funktioniert nur noch – und dann ist es so unglaublich wichtig und wertvoll, wenn man sich auf seine Leute verlassen kann: auf Peter natürlich, klar, aber auch auf unseren Special Guest Stefan Paßerschroer, Tonmann Conny, Jochen van Eden als Foto-Profi, Lichtmann Ulli Sonntag und auf viele helfende Hände, ganz besonders auf die von Christa Thöne von Gala4ME. Von ihr erhalte ich nicht nur Backstage-Unterstützung, sondern vor allem diese tollen Outfits. Die sind für mich extrem wichtig, denn sie sollten zu den Songs passen, jede Performance ist optimalerweise so eine Art Gesamtkunstwerk. (lacht)

Und alles lief prima?

Noch besser … Peter und ich hatten unser normales Standard-Repertoire ein bisschen umgebaut und überarbeitet, dazu kam dann Swing von unserem regionalen Frank Sinatra, Stefan Paßerschroer. Die Nummern steigerten sich im Laufe des Abends, wurden schneller und packender – und als Zugabe und Sahnehäubchen gab es schließlich unsere Version von „Vom Stadtpark die Laternen“, im Original von 1963 ein Duett von Gitte und Rex Gildo. In dem Moment tobte wirklich der Saal, was für eine unglaubliche Stimmung! Ich bin ja wahrlich häufig auf der Bühne, aber das war auch für mich ein außergewöhnlicher Abend. Programm, Sound, Optik, Publikum … da stimmte einfach alles! (grinst) Das muss man fortsetzen …

Kann das auch an Rhede als deiner Heimat gelegen haben?

Ja, vielleicht … nein, ganz sicher. Gerade im letzten Jahr war ich zwar selten zuhause vor Ort, aber ich bin schon ein „Rheder Kind“. Bei allem, was ich bisher von der Welt sehen durfte, fühle ich mich hier doch noch mit Abstand am wohlsten. Und ich brauche das auch, das ruhige, ländliche Umfeld, als Haltepunkt, weniger für Konzerte im nahen Umfeld, vielmehr als Rückzugsort, Gegenpol und Ausgleich zu den Reisetagen. Der Kontakt mit Freunden und Family ist mir enorm wichtig.

2017 hat es dazu wenig Gelegenheit gegeben, oder?

Richtig, ich war fast jeden zweiten Tag im Jahr unterwegs. Das waren gut 100 Auftritte plus die Reisetage plus die Zeit, die man eben für Auf- und Abbau, Soundcheck und andere Besprechungen braucht. Es hat mich – und meist auch Peter – in den vergangen Jahren um die ganze Welt geführt, wir waren unter anderem in Melbourne, Brisbane und Sydney, in Dubai, Kanada und Südafrika. Yamaha Music organisiert das alles perfekt, aber meist bleibt einem wenig bis keine Zeit, um auch die Orte selbst kennenzulernen. Die Auslastung hat aber dennoch praktische Vorteile, man ist beispielsweise immer im Gesangstraining. Und ich mag das auch: das Unterwegs-Sein, den professionellen Stress, die Auftritte selbst … solange ich zwischendurch, wie gesagt, hierher zum Ausruhen kommen kann. (lacht)

Neben Yamaha Music ist vor allem die Big Band der Bundeswehr dein „Auftraggeber“.

Stimmt. Yamaha Music steht seit etwa sieben Jahren hinter mir – also noch vor dem Bekanntheitsaufschwung durch „Deutschland sucht den Superstar“ – und für die Big Band der Bundeswehr bin ich seit letztem Jahr tätig. Zusammen ergibt das eine fantastische Abwechslung, nicht nur nach Ländern gesehen, wie Malaysia, wo wir als Kulturbotschaftler Deutschlands auftraten, sondern auch, was den Auftrittsrahmen angeht: Von kleinen bis großen „echten“ Konzerten ist alles vorhanden, dazu Auftritte in Shoppingcentern, auf Musikmessen oder in Botschaften, auf privaten und Firmen-Feiern bis hin zu großen Open-Air-Festivals.

Das hört sich nach „So kann es weitergehen!“ an.

Na, nicht ganz. In 2018 werden es etwas weniger Termine und Touren werden. Natürlich werden darunter immer noch ein paar besondere Sachen sein, beispielsweise ein Auftritt mit Stefan Paßerschroer auf dem Kirchentag in Münster.
Aber es bleibt Raum für Neues …

Jetzt sind wir gespannt!

Ah, ein kleiner nächster Schritt … Zusammen mit einem bunten Team aus dem Raum Köln will ich mich künstlerisch weiterentwickeln – und an meinem zweiten Album arbeiten. Ganz langsam, ganz easy, das braucht seine Zeit. 2018 ist quasi die Findungsphase, vielleicht entstehen schon ein paar erste Songs, mal sehen. Die sollen „Susan pur“ sein, denn das, was mich selbst jenseits der Stimme ausmacht, das geht natürlich momentan ein wenig unter. Es werden deutsche Texte sein, kein Schlager, soviel kann ich sagen, aber wo die Reise ansonsten hingeht? Da lasse ich mich selbst überraschen! Wichtig ist für mich erst einmal, dass sie startet, denn das verhindert auch, dass ich in bestehenden Strukturen feststecken bleibe. Stillstand ist Rückschritt.

Also „Alles ist gut“ und „Alles wird besser“?

Ja, könnte man so sagen. (lacht)

Susan, besten Dank für das Gespräch – und eine weiterhin riesig erfolgreiche Zeit! ◀

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