Ein Hallelujah für eine Initiative

Zweiter Sprachkurs endet erfolgreich.

Ungewohnte Klänge klangen am Morgen des 22. Dezember aus dem Siemens
Betriebsratsgebäude in der Alfred-Flender-Straße. Ganz spontan stimmte Rebecca S. (Name geändert) während der Abschlussveranstaltung des Kurses das wohl bekannteste Lied von Leonard Cohen an. Singen hilft, wenn die Worte fehlen. Freude, Dankbarkeit und Wehmut schwangen in dem Lied mit. Zu der Feier hatte Andreas Wendland, der Betriebsratsvorsitzende der Geschäftseinheit Mechanical Drives (MD), zusammen mit Vertreterinnen der Ewibo GmbH die örtliche Presse eingeladen, um auf das Projekt aufmerksam zu machen.

Es ist eine Kooperation zwischen MD und Ewibo. 27 Frauen aus 14 Nationen wurden seit November 2015 zweimal pro Woche im Betriebsratsgebäude in zwei Kursen von dem pensionierten Grundschulehrerehepaar Brigitte und Alfred Kahlert unterrichtet.

MD hat in der Vergangenheit schon bei vielen Notfällen und Katastrophen geholfen. Aber Ende 2015, als die Flüchtlingszahlen stiegen, wurde klar, dass ein nachhaltiges Engagement nötig sein würde.

„Eine Gesellschaft lebt vom Miteinander, nicht dem Nebeneinander. Parallelgesellschaften führen zur Ghettoisierung und zum gesellschaftlichen Bruch. Und Integration geht nur über die Sprache. Dazu gibt es keine Alternative“, erklärte Andreas Wendland in seiner Begrüßungsrede. Mit der Ewibo fand er einen idealen Kooperationspartner, dort gab es seit Beginn 2015 ein Projekt zur Unterstützung von Müttern mit Migrationshintergrund. Frauen und Mütter aus anderen Kulturkreisen haben oft eine eher eingeschränkte Lebensperspektive. Sie brauchen dringend eine Chance, die deutsche Sprache zu lernen. Das ermöglichte der Kurs den Frauen, darüber hinaus werden sie so auch zu Multiplikatoren. Denn auch die Kinder lernen umso schneller unsere Sprache, wenn ihre Mütter Deutsch sprechen.

Rebecca kommt aus Nigeria und lebt seit acht Jahren in Deutschland. Sie wurde von ihrem Mann misshandelt und flüchtete mit ihren drei Kindern ins Frauenhaus. Seitdem wird sie von Astrid Meyer und Petra Koch von der „Agentur für Frauen“ (Einheit der Ewibo) betreut. Rebecca S. hat jetzt konkrete Zukunftspläne. Ihr Abschluss als Chemielaborantin ist mittlerweile in Deutschland anerkannt. Mit den neu erworbenen Sprachkenntnissen hat sie jetzt eine reelle Chance auf eine Stelle in einem Chemielabor. Und im Chor wird sie sich auch anmelden. Das ist gelungene Integration.

In den sechs Monaten bildeten sich nicht nur Freundschaften der Teilnehmerinnen untereinander, sondern auch ein sehr herzliches und vertrauensvolles Verhältnis zum pensionierten Ehepaar Kahlert. So kam auch Wehmut beim Abschied auf, denn das Ehepaar scheidet jetzt aus gesundheitlichen Gründen aus. „Ungern hören wir jetzt auf, auch wenn es am Anfang schwierig war. Wir hatten kein Lehrmaterial, auf das wir zurückgreifen konnten, und es ist schon etwas ganz anderes, Erwachsene zu unterrichten als Kinder. Aber im Laufe der Zeit haben auch wir viel gelernt, geteilt und gelacht. Diese Zeit hat uns persönlich sehr viel gegeben.“ Sichtlich bewegt überreichte Brigitte Kahlert anschließend den Frauen ihre Abschlusszertifikate, unterstützt von ihrem Mann, der für jede der Frauen aufmunternde Worte fand.

Das ist mit ein Grund, jetzt an die Öffentlichkeit zu gehen, zum einen natürlich, um andere Unternehmen zu animieren, etwas Ähnliches anzubieten, aber auch, um weitere Freiwillige zu finden, die Interesse hätten, einen Kurs zu unterrichten.Der dritte Kurs ist schon gesichert, er wird von Frau Allen Kadu-Knipping geleitet. Aber zusätzliche Unterstützung wäre sehr gern gesehen. ◀

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