„Quo vadis, Bocholt?“

Das Jahr ist noch frisch und die Städte und Gemeinden der 463-Region haben ehrgeizige Pläne. Wir sprachen mit Bocholts Bürgermeister Peter Nebelo über die Schwerpunkte, Baustellen und Risiken von „Bocholt 2018“.

VIER.SECHS.DREI.: Herr Nebelo, in Ihrer haushaltslastigen Rede zum Bocholter Neujahrsempfang hörten wir gleich zu Anfang vom wichtigen Erhalt oder sogar Ausbau der vorhandenen Rücklagen – und gleichzeitig vom Investieren in herausfordernde Projekte. Das hört sich ein wenig nach der Quadratur des Kreises an …

Peter Nebelo: Zum Teil ist es das ja auch immer, ein Drahtseilakt, ein Abwägen. Wobei die Spielräume eng sind, denn die allermeisten Ausgaben unseres etwa 190-Millionen-Haushalts entstehen durch Pflichtaufgaben, um die wir schlichtweg nicht herumkommen. Andere Punkte bringen sozusagen ihren eigenen Handlungsbedarf mit: Die maroden Parkhäuser beispielsweise, die können wir nicht einfach beiseite schieben und auf vielleicht bessere Zeiten hoffen. Wenn diese MUSS-Posten bedient sind, ergibt sich ein kleiner Spielraum, und mit dem sollte man besonders sensibel umgehen. Ich denke mal, mit einer Gesamt-
investition von etwa 40 Mio. Euro allein in den schulischen Bereich haben wir da unter anderem ein Zeichen gesetzt.

Wir reißen es hier aus dem Zusammenhang, aber der Satz „Hier ist die Welt noch in Ordnung“ aus Ihrer Rede hat uns besonders gut gefallen. Was macht denn für Sie – jenseits Ihrer Arbeit – das Leben in Bocholt so lebenswert?

(lacht) Das sind natürlich die Punkte, von denen ich auch privat profitiere, die sportliche und kulturelle Vielfalt in Bocholt beispielsweise, das absolut riesige ehrenamtliche Engagement in vielen öffentlichen Bereichen oder auch die vorbildliche Infrastruktur, nicht nur für Radler. Fast jeder Bocholter könnte mittags zu Hause essen, dank der kurzen Wege.

Kurze Wege – gutes Stichwort. Mit dem Aufschwung des benachbarten kubaai-Geländes, der neuen Busverbindung in die Niederlande, der Elektrifizierung der Bahnstrecke und dem geplanten Bahnhofsumbau … entsteht da gerade ein neues Zentrum innerhalb von Bocholt?


Das Bahnhofsareal haben wir tatsächlich schon lange im Fokus und jetzt entsteht daraus eine neue Drehscheibe, ein Anlaufpunkt für alles mögliche – hier sollen sich nicht nur Verkehrswege kreuzen, obwohl das natürlich im Vordergrund steht: Bald wird man mit der Bahn bis Düsseldorf durchfahren können, in Mussum haben wir eine neue Haltestelle geplant … ja, läuft.

Sie konnten zu Jahresanfang viele Erfolgsmeldungen auflisten, keine Frage, aber an einigen Stellen scheint noch Sand im Getriebe zu sein. Stichwort Digitalisierung und Breitband: Wann beginnt die Aufholjagd?

Sie hat längst begonnen! Die Stadt Bocholt hat soweit alles an den Start gebracht, sprich: Die Förderanträge auf Gewährung einer Zuwendung nach der Richtlinie zur Förderung des sogenannten Next-Generation-Access im Ländlichen Raum sind Ende Februar bei der Bezirksregierung eingereicht worden. Jetzt warten wir auf Signale aus Düsseldorf bzw. Münster, dann kann´s losgehen.

Und für wann steht ein Konzept zur hausärztlichen Versorgung an? Das Thema gärt seit vielen Jahren und zuletzt war die Rede von „ersten Überlegungen“, wie man junge Mediziner anlocken könnte …

Ein ausformuliertes Konzept mit konkreten Maßnahmen als eine Art Masterplan wird noch eine Weile auf sich warten lassen, zugegeben. Das heißt allerdings nicht, dass wir nicht heute schon aktiv sind und beispielsweise in Einzelfällen finanzielle Ansiedlungsunterstützung geleistet haben oder auch mit komplett von uns bezahlten Famulaturen versucht haben, junge Hausärzte für Bocholt zu interessieren. Ein wichtiges Thema, auch, weil eine gute ärztliche Versorgung ein Faktor für potenzielle Neubürger ist …

Ein letzter Punkt: In Ihrer Rede zu „Bocholt 2018“ haben wir das Thema Brauhaus vermisst. Ist es nicht positiv, dass endlich eine Entscheidung zum weiteren Vorgehen gefallen ist?

Bocholt braucht einen großen Saal, das steht völlig außer Frage. Ich selbst habe ja nie ein Hehl daraus gemacht, dass ich das Konzept
eines Bocholter Unternehmers bevorzugt hätte – schon, weil es bereits vor Jahren vorlag und wir heute viel, viel weiter wären. Nun, die Würfel sind zugunsten einer anderen Lösung gefallen, und die wird sich jetzt beweisen müssen. Wenn die Bürgerstiftung das schafft, werde auch ich hochzufrieden sein!

Herr Nebelo, wir danken für dieses Gespräch!

Share

Freshcode Media
Münsterstraße 108
46397 Bocholt

+(49) 163/4207572

kontakt@463.jetzt